Samstag, 6. August 2016

Klassiker Weltreise: Station 7 - Steventon


Jane Austen – Emma

Hallo ihr Lieben,

ihr wart ja auch schon vor zwei Tagen mit mir in London, jetzt aber habe ich es mir in Steventon bequem gemacht. Bin sozusagen auf den Wegen von Jane selbst gewandelt und fühle mich hier vollkommen wohl.

Stellt euch einfach dutzende grüne Wiesenlandschaften vor, die sich immer aneinanderreihen und durch die sich Parks und kleinere Waldstücke ziehen. Es ist einfach traumhaft schön hier und eigentlich möchte ich wesentlich länger hier verweilen als nur an diesem einen Tag.

Aber auch diesmal will ich euch erst einmal das Buch vorstellen, bevor wir weitermachen.

Darum geht´s:
Die kluge Emma Woodhouse lebt für das Ehestiften und lenkt gerne die Geschicke anderer. Allerlei ungewollte Komplikationen und Missverständnisse zwingen sie jedoch zu Selbstkritik und -reflexion in dieser Komödie der Irrungen und Wirrungen.


Als ich hier war, hatte ich natürlich mein Buch dabei „Emma“ hat mich bei meiner virtuellen Tour treu begleitet und ich habe schnell ganz viel Gemeinsamkeiten zwischen uns gefunden. In vielen Dingen eigentlich. So kam ich durch sie auch darauf, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Ob es jetzt meins oder das von Emma ist, dürft ihr selbst herausfinden, aber ich fang einfach mal an:

Nachdenklich flanierte ich über die saftig grünen Wiesen, immer in Gedanken an den einen Mann, der verprellt wurde. Tat ich das Richtige indem ich ihm einer meiner Freundinnen zuschusterte? Nie hätte es eine Zukunft geben können, dazu waren er und ich von zu verschiedenem Stand.
Niemals hätte ich an seiner Seite stehen können ohne den Groll der Menschen um uns herum auf mich ziehen zu können. So entschied ich mich für das, was nahe lag. Ich begann meiner liebsten Freundin gut zuzureden. Sie und er gäben ein vorzügliches Paar ab und zudem wäre seine Mitgift für ihre Familie äußerst vorteilhaft, denn auch sie unterhielt den gleichen Stand wie der Mann, der mein Herz nicht hatte vollständig greifen können.
Doch lag dies an mir selbst?

Innerlich verneinte ich dies selbst, rechtfertigte es mit diesem und jenem Grund, doch waren sie wirklich Gründe oder nur Ausflüchte für mich selbst? Hielt ich mich selbst in meinem Denken so gefangen, dass es mir nicht mehr möglich war, einem Mann mit Liebe im Herzen entgegen zu treten?
Natürlich verfolgte ich wohlwollend alle Vermählungen meiner lieben Freunde um mich herum, immer aus der Ferne sah ich ihr Glück und die gerade erblühenden Gefühle der Personen um mich herum. Stand mit Rat und Tat zu ihrer Seite, doch selbst verlangte es mich noch nicht nach diesem Gefühl.

So langsam beschlich mich das Gefühl, dass ich durch diese Taten gar vor mir selbst und der Liebe eines mir wohlwollenden Herren davonlief. Stieß ich deshalb einen jeden von ihnen zu einem anderen einsamen Menschen um mich herum? Liebte ich meine eigene Einsamkeit so stark, dass ich es nicht ertrug, wenn eine andere Seele diese füllte? Bedächtig schüttelte ich den Kopf und flanierte weiter den Weg entlang, sog den Duft der Natur ein und erblickte eine mir fremde Person.
Noch konnte ich nicht erkennen ob dies ein Herr oder eine Dame war, also schritt ich bedächtig weiter bis ich zu erkennen vermochte um wen es sich handelte. So verstrich einige Zeit, bis ich mir sicher war, selbst in eine tiefe Verrücktheit abgeglitten zu sein. Eine solche Person konnte es doch nicht geben. So anders war ihre Kleidung. Das Haar fiel in feuerroten Wellen über die Schultern und die Figur konnte man durchaus als wohlgeformt bezeichnen, wenn auch mit dem ein oder anderen Schönheitsfehler versehen. Aus ihren Augen konnte ich eine ebensolche Einsamkeit lesen, wie sie in meiner Seele herrschte, nur um ein vielfaches trauriger über ihre Situation. So entschloss ich mich, zu ihr zu gehen, auch wenn mir ihr merkwürdig gestalteter Kleidungsstil sehr zuwider war. Eine Dame sollte niemals Hosen und Hemden einem Mann gleich tragen. Das schickte sich nicht.
Im ersten Augenblick schien auch sie erstaunt über mein Auftreten, auch mein Kleid verwunderte sie scheinbar, doch ich bat sie in meiner Direktheit, mir ihre Geschichte zu erzählen und nach kurzem Zögern begann sie mir zu berichten was sie tief in ihrer Seele quälte. Ihre Stimme brach an der ein oder anderen Stelle und aus den Augenwinkeln erkannte ich, wie Tränen ihre wunderschönen Augen geradezu betonten.

Ich möchte nichts davon preisgeben, da auch sie mir alles in einem Moment voller Vertrauen berichtete, dennoch erschrak ich heftig über ihre Situation! So viele Gefühle, die in ihrer einsamen Seele gegeneinander kämpften, die sie innerlich und äußerlich niederdrückten. Hätte ich es vermocht, ich hätte ihr all diese nehmen wollen. So bat ich sie, sich genau zu überlegen, wem sie vertraute, wem sie ihr Herz und ihre Seele ausliefern wollte. Doch nach einigem reden und sinnen kam auch ich selbst nicht weiter. Viel gab es zu bedenken und auch viel, was in ihrem Leben nie hätte auftauchen sollen.
Einen Rat jedoch konnte ich ihr geben, den sie mit einer erleichterten Freude auch annahm:

Fühle ich dich hinein und schenke demjenigen deine Liebe, der sich ihrer würdig erweist.

Doch auch sie war begierig darauf, dass ich ihr meine Gedanken mitteilte. So zögerte auch ich eine kurze Weile, entschied mich jedoch auch selbst, ihr meine Sorgen und Nöte anzuvertrauen. Dieses Gefühl war berauschend und belebend, dennoch so neu, dass auch ich immer wieder mit den Tränen kämpfte.

So, an dieser Stelle muss ich unterbrechen, denn das wäre meiner Freundin Emma sicherlich nicht recht, wenn ich ihre tiefsten und geheimsten Gedanken und Gefühle so bloßlegen würde. Wichtig ist nur zu erwähnen, dass wir uns wirklich anregend unterhalten haben, auch wenn ich mir bis heute nicht sicher bin, ob ich in ihrem Traum gewandelt bin, oder sie in meinem gewandelt ist.

Sie hat mich jedoch gewaltig inspiriert und auch sehr geholfen, denn ohne sie hätte ich wohl nie und nimmer klar sehen können. Diesen Moment jedenfalls werde ich mir tief in meinem Herzen bewahren und immer dann wieder hervorholen, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Ihre Art hat etwas Einnehmendes an sich, dass einen geradezu dazu einlädt, sich ihr zu öffnen und sich helfen zu lassen, selbst dann, wenn man sich eigentlich in sich selbst verschließen möchte.

Wahrscheinlich hatte sie gerade durch diesen Charakterzug so großen Erfolg in der Partnervermittlung ihrer Freundinnen und Bekannten. Genau für diesen Charakter bewundere ich sie auch und werde sie auch noch tiefer in mein Leben lassen.

Dennoch hoffe ich, euch ein bisschen neugieriger auf das Buch selbst machen zu können. Für die, die es bereits gelesen haben:
Wie fandet ihr Emma denn als Charakter?

Auch bin ich froh, dass wir noch eine Weile in Steventon verweilen, denn als nächstes wird euch >>Corinna<< ein bisschen was über Mansfield Park erzählen.

>>Hier<< könnt ihr übrigens die oben gezeigte Ausgabe erstehen.

So und hier noch ein paar Impressionen für euch:

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