Donnerstag, 4. August 2016

Klassiker Weltreise: Station 6 - London


Mary Shelley - Frankenstein

Heute darf ich euch erneut einen besonderen Klassiker neu aufgerollt vorstellen und da habe ich sehr lange überlegt, wie ich dies am besten machen könnte. Hin und her überlegt trifft es wohl wirklich am besten, aber durch eine wirklich spannende Dokumentation bin ich dann doch auf mein genaues Beitragsthema gekommen.

Aber zuerst einmal muss ich euch dazu das Buch vorstellen.

Darum geht es:
Die Idee, Gott zu spielen, selbst zum Schöpfer zu werden, gestaltete Mary Shelley in ihrer ersten Fassung des berühmten Gruselklassikers am kunstvollsten. Im Mittelpunkt ihres genialen Romans steht nicht nur das legendäre Monster, sondern vor allem die Lebensgeschichte des besessenen Wissenschaftlers. Die Tragödie von Victor Frankenstein und seinem Geschöpf fasziniert bis heute, weil sie das Dilemma zwischen Erkenntnis und Moralität, zwischen Macht und Verzicht, insbesondere in den Naturwissenschaften, aufzeigt: visionär, aktuell und unheimlich spannend.

 
Mary liefert uns hier einen Roman, der nicht nur das erste Werk des Genre Science-Fiktion ist und somit also ein eigenes Genre bildet, sondern auch zugleich ein Werk, das für die damalige Wissenschaft ein großer Meilenstein war. Wurde doch erst 200 Jahre nachdem ihr Roman erschien, genau dies möglich gemacht, worüber sie darin schrieb.

Sie liefert eine besondere Vision, die bereit ist, Leben zu schaffen. Begründet wurde dieser Wunsch tief im Inneren von Mary selbst, verlor sie doch ihr eigenes Kind, dass als Frühgeburt das Licht der Welt erblickte. So verhalf ihr ein Traum zu ihrer zündenden Idee, die sie auch in ihrem Roman verarbeitete. Mary hatte selbst sehr viel persönliche Gefühle ihrerseits mit in dieses Buch gepackt und es somit zu einem wirklich psychologisch interessanten Roman anwachsen lassen.

Beeindruckt hat mich jedoch ihre außerordentlich starke Vision über das Leben und den Tod, den sie darin wiedergibt. Genau diese Vision brachte mich dazu noch tiefer einzudringen, weiter zu lesen, zu sehen und zu hören, was andere über dieses Buch denken. Und genau diese zentrale Frage habe ich mir gestellt:

Darf der Mensch Leben schaffen?

Was damals jedoch undenkbar und makaber war, ist in der heutigen Zeit wirklich extrem weit vorangeschritten. Sicher, das Experiment von Viktor wäre so nicht komplett möglich gewesen, weder heute noch damals, aber dennoch gibt es Abwandlungen, die man erforschte und die wirklich funktionieren.

So hat die Wissenschaft entdeckt, dass die Elektrizität und das Leben beinahe Hand in Hand gehen und für die Impulse unseres Körpers verantwortlich sind. So sind wir in gewissem Sinne elektromechanische Apparate, da unsere Nervenbahnen elektrische Impulse durch unseren Körper transportieren.

Wie Mary mit ihrer durch Unwissenheit eingeschränkten Wahrnehmung einen solchen Meilenstein auszuformen wusste bleibt uns wahrscheinlich ein Rätsel, dennoch ist ihr Reichtum an Ideen und ihre Fantasie wirklich unheimlich großartig. Ihre Träume zeigten ihr Teilwahrheiten, die sie verwendete und die heutzutage auch umsetzbar sind.

So hat ein Wissenschaftler einem von der Brust abwärts gelähmten Patienten mittels einer Stimulation des Rückenmarks geholfen, alleine wieder zu stehen. Was wirklich unglaublich spannend ist, denn so liefert ein mehr als 200 Jahre altes Buch eine Antwort auf eine Hilfe für Patienten, die von allein nie mehr hätten gehen können. Es gibt Hoffnung auf neue Therapien, die wirklich funktionieren.

Zudem spielen auch Verantwortung, Moral und das Leben selbst eine wirklich sehr große Rolle. Sie beschreibt einen Vater, der keiner sein wollte und ein wirklich großes Genie war. So experimentierte er mit Leichenteilen, die er zusammensetzte und mittels Elektrizität zu einem neuen Leben verhalf. Dadurch das alles größer und grotesker dargestellt war, als ein Mensch sein könnte, wurde auch bewusst übertrieben um dem Wesen eine Aura zu geben, die etwas Böses umfasst.

Aber das Wesen war nicht böse, nur unschuldig und sich darüber bewusst, anders zu sein, als alle um ihn herum. Man könnte das ‚Monster‘ somit auch mit einem Neugeborenen vergleichen. Es lernt indem es beobachtet und wird auch durch sie überhaupt erst zu einem Monster gemacht.

So gibt sie uns zugleich auch eine zentrale Frage mit:

Wie soll man einen Menschen behandeln um zu vermeiden, dass ein Monster aus ihm wird?

Meiner Meinung nach ist diese Frage unheimlich wichtig, denn die Monster unserer Zeit sind z.B. Mörder, Attentäter und dergleichen mehr. Sie alle werden durch Taten und Worte von anderen dazu gebracht, genau dies zu tun was sie eben taten. Keine neue Erkenntnis zwar, dennoch höchst brisant und wichtig für unser aller Leben. So schreibt sie uns allen eine besondere Macht zu, die weit über Leben und Tot hinausgeht.

Sollten wir wirklich Gott spielen und wie Prometheus selbst das Wissen verbreiten, was in den falschen Händen voller Gefahr sein könnte? Oder sollten wir lieber die diversen Grauzonen die es zwischen Leben und Tot gibt respektieren und alles dabei belassen, wie es ist?

Allerdings formt sich die Transplantation aus genauso einer Grauzone. Ein als Hirntot diagnostizierter Mensch kann dabei helfen, einem anderen Patienten wieder Leben einzuhauchen, weswegen man auch so händeringend Organspender sucht und teilweise auch der Organhandel in einigen Ländern wirklich floriert.

Mir jedenfalls hat der Stoff des Buches reichlich Stoff zum Nachdenken geliefert und ich werde es definitiv noch lesen und mir meine Meinung dazu bilden. Dennoch hoffe ich jetzt, die wissenschaftlich interessierten unter euch mit meinem Beitrag ein bisschen neugieriger auf dieses Buch gemacht zu haben.

>>Hier<< könnt ihr es auch kaufen.

>>Hier<< könnt ihr euch auch die Dokumentation anschauen, die ich gefunden habe und die mir die Inspiration für meine Worte geliefert hat.

Zum Abschluss habe ich aber eine Frage an euch:

Ist es okay neues Leben zu schaffen oder sollte die Wissenschaft lieber die Finger davon lassen?

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