Montag, 25. Juli 2016

Klassiker Weltreise: Station 1 - Jasnaja Poljana


Hallo ihr Lieben,

heute beginnt unsere Weltreise hier bei mir und ich habe dafür einen langen und sehr ehrlichen Brief an den Autor Leo Tolstoi geschrieben, der mir nicht sehr leicht von der Hand ging. Beim Schreiben hatte ich sehr viele, sehr traurige Szenen vor Augen, sie sich auch sehr im Brief selbst wiederspiegeln.
Aber lest selbst.

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25. August 2016 - Tag 1 der Reise

Das Papier raschelt unaufhörlich, als es vom Wind des Zuges näher an meine Hand wehte. Fast zu laut erschien es mir, in der Stille meines Hauses, dennoch las ich diese Zeilen, als würden sie mein Leben verändern können. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich einmal einen solchen Brief erhalten sollte....
Dennoch kam er hier bei mir an. Jahrhunderte sind vergangen, nachdem ich meine Gedanken niedergeschrieben habe, dennoch scheinen sie in ihrer Zeit umso treffender zu sein, denn in der meinen.
Zu Tränen gerührt begann ich also den Brief erneut zu lesen und betete gleichermaßen dafür, dass ihre Welt wieder von dem Frieden erfüllt sein möge, den ich mir für sie wünsche...


"Mein guter alter Freund,



ich weiß, dass wir beide uns nie kennenlernen werden, doch es kommt mir so vor, als würde ich dein Herz in mir schlagen hören. So stark haben mich deine Worte beeinflusst, muss ich doch jetzt besonders stark an diese denken.



Wie kann es sein, dass du schon damals genau gewusst hast, was der Mensch in sich birgt?

Du hast von Krieg gesprochen, aber der Krieg, den du beschrieben hast, nämlich der, den Napoleon angestachelt hat, ist lange vorbei. Nichtsdestotrotz hat sich hier ein neuer Krieg entfacht. Einer der mir selbst große Angst bereitet und dem deinen wahrscheinlich in nichts nachsteht.

Dabei sind wir alle Menschen, die sich nach der Liebe sehnen, die uns selbst den Frieden bringt.



Warum schaffen es dann die Menschen nicht, genau danach zu leben?

Lieber gehen sie einen unsinnigen Krieg ein, als das ganze gewaltlos zu lösen und verlieren sich somit vollständig in einer Realität, die nicht mehr die unsere ist. So entstehen Szenen wie gestern in München oder die in Südfrankreich. Es sterben Menschen, die ihr Leben voller Glück führen. Das alles nur für einen Krieg, den sie selbst niemals geführt hätten. Sie wurden Opfer, ohne die Wahl zu haben. Sie alle trugen ihr Lächeln mehr oder weniger täglich um anderen ein Lächeln zu entlocken und den Frieden in dieser Welt zu leben. Stattdessen haben sie einen Krieg bekommen, der hier niemals in diese Welt gehören sollte.



Einen Krieg der unsere Welt zerstört, sie daran hindert, sich wieder zu erneuern.

Inzwischen gibt es so viel Dunkles auf der Welt, dass ich mich selbst Frage, wo das ganze Licht geblieben ist. Die Angst in uns wird größer und größer, statt, dass das Licht sich an unserer Freude nähren kann. Deswegen frage ich dich, mein alter Freund, hast du alles schon geahnt, als du deine Geschichte verfasst hast?



Gibst du uns mit dieser Geschichte Hoffnung oder soll es uns als Beispiel dienen, nicht den gleichen Fehler zu machen, wie Napoleon ihn machte? Irgendwie denke ich, dass viel zu viele deine Worte nicht genau verstanden haben. Warum sonst gäbe es so viele sinnlose Attentate bei denen mehr unschuldige Menschen ihr Leben lassen müssen, als das es überhaupt einer größeren Sache dienen könnte?



Dabei drängt sich mir auch unweigerlich die Frage auf, welcher Gott damit einverstanden sein soll. Nie habe ich von einem Gott gehört, der Kriege vom Zaun bricht, nur um seine eigenen Vorstellungen von Verehrung durchzusetzen. Nein, nicht ein Gott ist dazu in der Lage, sondern die Menschen, deren Seele von Machtgier und Rachedurst vergiftet worden ist. Sie sind es, die eigene Vorstellungen von Gott entwickeln und seinen Namen missbrauchen um ihre Kriege in die Welt hinaus zu tragen.



Selbst als ich vor einigen Tagen einen wirklich ergreifenden Spruch gelesen habe, musste ich sofort an deine Worte denken. Aber warte, ich muss ihn dir wohl erst zeigen, damit du mich verstehst:



Letzte Nacht, kurz vorm Schlafengehen,
nahm ich den Globus vom Regal auf meinem Schoß,
strich sanft mit den Fingern über die Welt und fragte:
"Wo tut´s denn weh?"
"Überall," flüsterte sie, "überall."



Diese Worte machen mich nachdenklich und wünschten mir sofort den Weltfrieden her. Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, ob dieser Wunsch wirklich nur für kleinere Kinder und Miss-Wahl-Veranstaltungen gilt. Sollte er nicht das sein, was alle miteinander anstreben? Müssen immer neue Waffen geschaffen und neue Tote beklagt werden? Muss die Angst ständig wachsen und in unseren Herzen immer tiefer verankert werden?



Wenn das alles so weitergeht, erschaffen wir uns nicht nur neue Dämonen, sondern auch eine Welt, in der sich das Leben nicht wirklich mehr zu genießen lohnt. Wir sind letzten Endes für unser aller Wohl verantwortlich und dazu gehört auch, ein Zeichen zu setzen, welches den Krieg dieser Welt zu beenden vermag.



Genau das möchte ich mit meinem Brief an dich tun mein lieber Freund. Ich möchte den Leuten sagen, dass jeder sich deine Worte zu Herzen nehmen soll und auch selbst ein wenig mehr Frieden in diese Welt bringen soll. Wie jeder selbst das anstellen mag, liegt in seinem Herzen vergraben, doch ich weiß, dass ich selbst dafür verantwortlich sein möchte, dass mehr Menschen auf dieser Welt mit einem Lächeln durchs Leben gehen können. Ich möchte Lächeln um auch andere Menschen dazu zu verleiten, mit einem Lächeln weiter zu laufen. Ich möchte denen Aufmerksamkeit schenken, die viel zu wenig davon erhalten und dadurch auch selbst wieder ein Quäntchen Glück mehr in ihrem Leben willkommen heißen können.



All das und noch so vieles mehr möchte ich tun um mit deinen Worten in meinem Herzen den Krieg zu bekämpfen und den Frieden zu bringen.



Ich wünsche mir so sehr, dass auch du meine Zeilen lesen könntest. Was du wohl zu mir sagen würdest? Ich weiß es nicht, doch eines weiß ich ganz sicher:



Mein Herz ist sehr viel reicher, seitdem sich deine Worte darin befinden!



Deswegen möchte ich auch jetzt Lebewohl sagen mein alter Freund, hab vielen Dank, dass du mir diese unglaublich wichtigen Einsichten geschenkt hast und ich hoffe auch eines Tages meinen Kindern von dir und deinen Worten berichten zu können.



In Liebe,

deine dir treu ergebene ~Laura~"

 Ich danke dir für deine wundervollen Worte liebste Laura, dennoch erhoffe ich mir für dich, dass du selbst nicht von diesem aktuellen Krieg darniedergerafft werden wirst.
Lebe glücklich und mit der Liebe im Herzen, die Gott dir gab.
Ich danke dir.

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So, dass waren meine Worte, die durch das Buch hervorgerufen an die Oberfläche getreten sind.
Vielleicht teilt ihr meine Meinung ja auch, oder die von Leo selbst, und seht es ähnlich.
Dennoch möchte ich euch das Buch selbst nicht vorenthalten.


Fakten zum Buch:
„Ohne falsche Bescheidenheit: Es ist etwas wie die Ilias.“ Lew Tolstoi
Das Schicksal der russischen Adelsfamilien Rostow und Bolkonski zu Beginn des 19. Jahrhunderts, des gutmütigen, steinreichen Pierre Besuchow und der intriganten Kuragins Familienfeiern, Empfänge, Abendgesellschaften, Duelle, Niederkunfts- und Sterbeszenen, Jagden, Reisen, Bälle in Petersburg und Moskau, Theatervorstellungen, weihnachtliche Schlittenfahrten – an all dem lässt Tolstoi seinen Leser Anteil nehmen. Ihr aller Leben ist eng verwoben mit einem umfassenden, beeindruckenden Geschichtsbild Europas während der Napoleonischen Kriege, in dem der Autor die bedeutendsten Persönlichkeiten jener Zeit porträtiert.
„Die erzählerische Macht seines Werkes ist ohnegleichen.“ Thomas Mann
„Der Mann ist Gott gleich.“ Maxim Gorki

Taschenbuch: 2288 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. Dezember 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423590858
ISBN-13: 978-3423590853
Größe und/oder Gewicht: 12,7 x 7,9 x 20,4 cm

Da es meine Ausgabe so nicht mehr gibt, weise ich hier auf die Ausgabe des dtv Verlags hin.

Für mich ist es ein Buch ohnegleichen und ich bin froh es kennengelernt zu haben, hoffe natürlich auch, euch ein bisschen besser an dieses Werk herangefährt zu haben, denn mit Worten allein, ist es schwerlich zu beschreiben.
Hier müsst ihr euch trauen und selbst in diese wundervolle Welt eintauchen, die Leo Tolstoi mit seinem Gedanken zu Worten geformt hat um unsere Herzen mit ebendiesen zu füllen...

Kommentare:

  1. Hallo Laura.
    Ein wunderschöner Text. Vielen Dank dafür, dass du ihn mit der Welt und auch mir geteilt hast.
    Ich habe nur eine Frage: kennst du die Quelle für das Zitat "Letzte Nacht, kurz vorm Schlafen gehen ... "
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Andreas

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    1. Hallo Andreas, das habe ich durch eine Facebook-Sprücheseite entdeckt und Seiten wie 'Sunny's Bücherschloss' haben das auch nochmal geteilt, daher weiß ich leider nicht genau, von wem genau dieser Spruch stammt. Aber ich empfand den als sehr passend.
      Vielen lieben Dank für deine Worte zu dem Beitrag :)
      LG

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  2. Huhu Laura,

    ein sehr interessanter und schön geschriebener Beitrag! Ich muss zugeben, das ist ein Klassiker, den ich trotz Deutsch-Leistungskurs und Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin nie gelesen habe... Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

    LG,
    Mikka

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