Freitag, 6. Februar 2015

Autoreninterview mit Emma Wagner

Am Freitag den 23.01.2015 hatte ich die Gelegenheit mit dr Autorin Emma Wagner einen Plausch auf unserer Quassel-Couch zu halten. Es war richtig lustig, informativ und vor allem voller Fettnäpfchen.
Glaubt ihr nicht? Dann lest mal schön.

Viel Spaß!



Das Interview



Hallo Emma, schön das du hier bist. Setz dich doch erst einmal auf unsere Quassel-Couch und mach es dir bequem. Ich hoffe es geht dir gut.

Hallo Laura. Ja, vielen Dank für Deine Einladung. Gut geht es mir in der Tat, auch wenn ich gerade zu meinem eigenen Erstaunen feststelle, dass ich vor Aufregung Herzklopfen habe und meine Hände zittern.

Ach du brauchst hier doch nicht aufgeregt zu sein. Die Leser sind alle ganz toll und wünschen sich sicherlich ganz viel über dich zu erfahren. Magst du dich mal vorstellen?

Klar. Gerne, also: Mein Name ist Emma Wagner. Naja, irgendwie jedenfalls. Es handelt sich nämlich um ein Pseudonym. Denn als ich Anfang 2014 meinen ersten Roman veröffentlichte, hatte ich tierische Angst davor, dass er ein riesiger Reinfall werden und ich mich in Zukunft nicht mehr aus dem Haus wagen könnte ;-)
Zum Glück ist es anders gekommen, so dass ich meine Sonntagsbrötchen nicht via Internet kaufen muss J Mein Pseudonym habe ich aber behalten. Irgendwie habe ich mich schon so sehr daran gewöhnt, dass es sich wie mein realer Name anfühlt. Vielleicht hieß ich in meinem letzten Leben so? Wenn nicht, liebes Universum, weißt du ja, was ich mir für mein nächstes Leben wünsche. Abgesehen natürlich von mehr Zeit zum Schreiben … Und Regalen, die sich von selbst an die Wand dübeln, wo wir schon mal dabei sind.

Also sind zu wenig Platz bzw zu wenig Regale auch eine Art Feind für dich. Die Idee mit dem selbst an die Wand dübeln finde ich allerdings toll. Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?

Genau. Mir fehlen für meine Bücher irgendwie inzwischen nicht nur mehr Regale, sondern auch mehr Wände.

Ich glaube das Problem kennt wirklich jeder Leser, wenn ich da an meinen Stapel ungelesener Bücher denke, oh je.

Tja, wie bin ich zum Schreiben gekommen? Also eigentlich habe ich schon ein ganzes Leben lang gerne geschrieben. Tatsächlich erinnere ich mich daran, dass meine Schulaufsätze immer in der Parallelklasse vorgelesen wurden. Was für mich als Jugendlicher ungefähr dem Schrecken einer der Plagen aus dem Alten Testament gleichkam. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei ein Aufsatz aus der siebten Klasse, bei dem es um einige peinliche Vorfälle während unseres absolut chaotischen Familienurlaub ging. Ich hoffe sehr, dass er für immer in der Versenkung verschwunden bleibt. Der Aufsatz. Nicht der Familienurlaub ;-)
Es lag also nahe, mich auch mal im Schreiben eines Romans zu versuchen. Da allerdings in meinem Leben immer ein Ereignis das nächste gejagt hat, bin ich über ein paar Seiten nie hinausgekommen. Bis ich dann im Sommer 2013 mit Kind und Kegel bei meinen Eltern zu Besuch war, plötzlich meinen Laptop aufklappte und zu tippen anfing. Und damit erst drei Wochen später wieder aufgehört habe.
Und zum Erstaunen meiner Familie, die meine Aktivität während dieser drei Wochen mit mehr oder weniger gelindem Erstaunen zur Kenntnis genommen hatten, hielt ich das Manuskript zu meinem ersten Buch in der Hand!

Wie hat es sich angefühlt dein erstes Buch zu schreiben und woher kam die Idee dazu?

Es war toll. Es floss einfach nur so aus meinem Kopf über mein Herz in meine Finger. Klar, denn "Liebe und andere Fettnäpfchen" beruht ja auch auf meinen eigenen Erinnerungen an meine Studenten Zeit und die meiner Freundinnen.

Worum geht es denn da speziell? Magst du uns eine kleine Kostprobe geben?

Klar. Gerne. Es handelt sich um eine turbulente Liebeskomödie vor dem Hintergrund des ganz normalen Wahnsinns von Studentenleben und Uni-Alltag gemischt mit dem Lokalkolorit von Heidelberg und einer Riesenportion Herz und Humor! Eine Leserin verglich es mal mit Bridget Jones. Welchʼ eine Ehre! In der Tat hat Lena, meine Protagonistin einiges mit Bridget Jones gemeinsam, denn Studentin Lena geht nicht durchs Leben, sondern stolpert hindurch. So findet sie in Heidelberg zwar jedes Fettnäpfchen, aber leider nicht den Mann fürs Leben. Stattdessen läuft ihr ständig der unsympathische Polizist Adrian über den Weg. Doch wenigstens hat er einen gut aussehenden Freund, den charmanten Franzosen Pierre – Lenas Traummann. Ihn für sich zu gewinnen, ist nun ihr erklärtes Ziel, für dessen Erreichen ihre Freundinnen einen Schlachtplan entwickeln. Doch Lena wäre nicht Lena, wenn hierbei alles nach Plan verlaufen würde! Dass sie sich nebenher auch noch mit skurrilen Mitbewohnern herumschlagen muss und versehentlich zum Amor wider Willen mutiert, macht die Sache nicht gerade leichter. Als sie selbst aber eine Liebeserklärung von der falschen Seite erhält und zu allem Überfluss ihre ein Doppelleben führende Freundin sie um Hilfe bittet, ist das Chaos perfekt…

Und eine Kostprobe gebe ich auch gerne:
Ausschnitt 1:
Unterwegs erzähle ich ihr von dem Dilemma mit Marius. Gabby reagiert leider nicht so empört wie ich erwartet habe: „Was ist denn eigentlich dein Problem mit Marius?“
„Bitte? Was soll das denn heißen?“
„Naja, ich mein ja nur… Ihr habt doch immer viel Spaß miteinander und du willst doch jemanden mit Humor haben.
„Ja schon, aber…“
„Und gebildet soll er doch auch sein und sich mit Literatur auskennen und Gedichte zu schätzen wissen. Trifft doch alles auf Marius zu. So klug wie er ist, wird er mit Sicherheit Geschichtsprofessor. So wie er es sich wünscht. Und hast du schon vergessen, wie wunderschön er bei der letzten Theateraufführung die Balladen vorgetragen hat?“
„Ja, als Minnesänger mit gelben Strumpfhosen verkleidet!“ Ich verziehe das Gesicht bei der Erinnerung daran.
„Okay, ich gebe zu, dass das jetzt nicht besonders sexy aussah…“
„Ich will kein Theater spielendes Weichei, sondern einen starken, selbstbewussten Mann. Und er soll auch kein Geschichtsprofessor sein, der sich von morgens bis abends in irgendeinem dunklen Archiv durch verstaubte mittelalterliche Wäschelisten wühlt.“
„Sondern?“
„Jemand, der im Hier und Heute lebt und sich für Philosophie interessiert und moderne Sprachen spricht, nicht nur Althochdeutsch und Mittelhochdeutsch und so einen Mist. Er sollte Französisch sprechen. Es gibt ja wohl keine andere Sprache, die so sexy klingt!“
„Sprichst du denn Französisch?“
„Nein.“
„Aha“
„Was soll denn das jetzt schon wieder bedeuten?“
„Naja, vielleicht findest du die Sprache nur deshalb so sexy, weil du keine Ahnung hast, worüber gesprochen wird. Ich meine, stell dir doch mal vor, dein Angebeteter spricht französisch mit dir und du denkst, dass er dir eine Liebeserklärung macht, dabei sagt er in Wirklichkeit nur die Einkaufsliste auf!“
Über diesen Gedanken muss sogar ich lachen, bin aber noch nicht bereit mich geschlagen zu geben: „Zum Glück wird das nicht passieren, da erstens mein Zukünftiger ein feinfühliger und empathischer Mann sein wird und mir daher keine Einkaufslisten, sondern französische Liebesgedichte vortragen wird und zweitens ich ohnehin vorhabe, demnächst  französisch zu lernen“
„Also ein starker, selbstbewusster Mann, der aber feinfühlig und empathisch genug ist, um dir französische Liebesgedichte vorzutragen und trotzdem nicht so weicheierig, dass er Theater spielt…?“
„Lachst du mich etwa aus?“ Ich bin empört! Schließlich sage ich etwas verschnupft: „Es geht ums Prinzip. Er soll halt kein Macho sein, aber auch kein Weichei.“
„Du hast vergessen, dass er natürlich auch kein selbstverliebter Schönling, aber ein Mann mit gepflegtem Äußeren sein muss“, ergänzt Gabby. „Ungepflegte Männer gehen gar nicht. Solche, die nach Schweiß riechen. Uää“
„Oder die Mundgeruch haben!“
„Urrgäääh“ Wir schütteln uns gleichzeitig.
Wir fahren eine Weile in Gedanken versunken zwischen den Mais- und Kohlfeldern vor uns hin, dann nimmt Gabby den Faden wieder auf.
„Marius lebt doch auch im Hier und Heute. Immerhin studiert er nicht nur Germanistik und Geschichte, sondern auch Politik.“
„Umso schlimmer, ich kann mir nichts Langweiligeres vorstellen als Politik und Wirtschaft und diesen ganzen Kram.“
„Okay, zumindest in diesem Punkt stimme ich dir voll und ganz zu!“, seufzt Gabby, „Schließlich habʼ ich es nur ein Semester lang in BWL ausgehalten.“
„Außerdem sollte mein Zukünftiger auch sportlich sein und das ist Marius nun einmal leider ganz und gar nicht. Schließlich sitzt er den ganzen Tag nur in seinem Zimmer über seinen Büchern und sieht es als Höchstmaß sportlicher Betätigung an, mal mit dem Rad zur Mensa zu fahren, wenn der Bus ausfällt.“
„Ja, schon, aber er ist ja auch ohne Sport total dünn.“
„Also das ist untertrieben! Er ist so dürr, dass er wie ein lebender Kleiderbügel aussieht!“
Die ersten Häuser von Dossenheim tauchen vor uns auf.
„Weißt du…“, fängt Gabby wieder an, „…ich sag’s ja nur ungern, aber vielleicht solltest du deine Ansprüche mal ein bisschen runterschrauben.“
„Soll das heißen, dass ich es nicht wert bin, ein paar Ansprüche an die Männerwelt stellen zu dürfen?!?“, gebe ich eingeschnappt zurück.
„Nein, das soll nur heißen, dass es den Mann, der alle deine Ansprüche erfüllt, vielleicht einfach nicht gibt.“

Ausschnitt 2:
Die frühesten Kurse fangen erst in einer Stunde an, deshalb ist auch noch kein Kurstrainer da, nur Bettina, die heute für die Gerätefläche eingeteilt ist. Sie berät gerade einen älteren Herrn mit Rückenproblemen. So habe ich also niemandem für einen kleinen Tratsch und schnappe mir stattdessen ein paar Cosmopolitan-Hefte. Mit meinen Croissants und einem Glas Erdbeermarmelade ziehe ich mich hinter die Theke zurück und durchblättere die Zeitschriften durch auf der Suche nach den Persönlichkeitstests (die sind jetzt erst einmal wichtiger als die Short-Stories, die ich eigentlich durcharbeiten wollte):

Wer hat in Ihrer Beziehung die Hosen an? Hmm, dazu müsste ich erst mal eine Beziehung haben.
Sind Sie bereit für Outdoor-Sex? Tja, gleiches Problem wie eben.
Welcher Singletyp sind Sie? Na hoffentlich ein Bald-keiner-mehr-Single-Typ. 
Gibt’s hier denn keinen Test, der mir verrät, wie ich den passenden Mann finde?
Wie spontan sind Sie? Wie leidenschaftlich sind Sie? Welcher Sex-Typ sind Sie? Na gut, da man ja auf alles vorbereitet sein muss, fange ich eben damit an:


Welcher Sex-Typ sind Sie?
Frage Nr. 1 von 16:
Erinnern Sie sich an Ihr erstes Mal?

A) Er war meine erste große Liebe und wir haben den Tag bis ins kleinste Detail geplant.

B) Puh, keine Ahnung. Ich war betrunken und habe ihn seitdem nie wieder gesehen.

C) Ja, es war völlig unspektakulär. Und Übung macht bekanntlich den Meister.
Formularende

Eindeutig C. Weiter.

Frage Nr. 2 von 16:
Mit welchem Tier können Sie sich besser identifizieren?

A) Kätzchen

B) Tiger

C) Luchs

Hmm, das ist gemein. Ich möchte viel lieber ein Tiger als ein Kätzchen sein. Ach was soll’s, es sagt doch eh‘ niemand die Wahrheit bei diesen doofen Tests. Also B ankreuzen!

Frage Nr. 3 von 16: Formularende
Wenn es nach Ihnen ginge: Wie oft hätten Sie gerne Sex?

A) Ach egal, Hauptsache bei Kerzenschein.

B) Morgens, mittags, abends, mindestens alle vier Stunden  – das tut mir gut.

C) Ein bis zweimal im Monat reicht völlig aus – dann aber richtig.          
Formularbeginn

Tja, ehrlich gesagt, hätte ich ganz gerne einfach überhaupt mal wieder Sex. Aber wenn ich‘s mir aussuchen könnte: Klaro, A.
„Na, also ich hätte ja „B“ angekreuzt“, ertönt plötzlich eine Stimme und vor Schreck hätte ich mein Croissant beinahe fallen gelassen. Ich kann es gerade noch auffangen, jedoch nicht verhindern, dass ein Klecks Marmelade auf meinem Shirt landet.
Na super, es ist Mr. Testosteron höchstpersönlich, unser hauseigener Mucki-Mann Thilo. Unter uns Mitarbeitern kursiert die Vermutung, dass er nur deshalb hier und nicht in einem der großen Sportstudios trainiert, weil er hier keine Konkurrenz von anderen Muskelprotzen hat. Ich persönlich präferiere die Ansicht, dass er hier trainiert, weil wir – wenn auch nur aufgrund der Tatsache, dass bis auf Thilo niemand hier solche Dinger tragen würde – kein Muskel-Shirt-Verbot haben, wie das in den großen Studios der Fall ist. So kann Thilo immer und überall seine Oberarm-Melonen und den halben Brustkorb zur Schau stellen.
Hastig schlage ich die Zeitschrift zu.
„Was willst du?“, fahre ich ihn an, während ich mir einen nassen Schwamm schnappe und fluchend an dem Fleck auf meinem T-Shirt herumrubbele.
„Ich kann dir gerne helfen!“
„Nicht! Nötig!“, belle ich.
„Holla die Waldfee! Wir haben aber heute Morgen schlechte Laune. Dabei wüsste ich etwas, das Abhilfe verschafft…“, er wackelt mit der linken Augenbraue – wahrscheinlich bildet er sich ein, dass das sexy sei.
„Sind dir die Anabolika ausgegangen oder was willst du?“
Meine Spitze prallt an ihm ab wie ein Gummiball an der Wand. „Das ist alles Natur pur!“, prahlt er. „Hier, willste mal anfassen?“
„Neee. Ganz sicher nicht! Sag mal, hast du irgendwelche Zuckungen?“
„Häh?“
„Deine Augenbraue wackelt die ganze Zeit so komisch.“
„Hmmpf.“ Beleidigt dampft er ab.

Ausschnitt 3:
Leider jedoch werde ich am Dienstagmorgen von Stimmen geweckt; eine davon scheint dem Hausmeister zu gehören. Und dann erkenne ich auch Magdas nervtötendes Organ: „…einfach nur eine Zumutung! Es ist mir absolut unmöglich, hier weiterhin mit dieser Wahnsinnigen zusammenzuwohnen. Diese Person stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Die hätte mir genauso gut die Nase brechen können, als sie mir die Tür einfach ins Gesicht geknallt hat. Gott sei Dank rettet mich ja nun Johann aus dieser unerträglichen Situation. Sie müssen nämlich wissen: Er wohnt in einem wunderschönen Penthouse mit Schlossblick. “
Na toll. Wohnungsbegehung wegen Magdas Auszug. Muss das ausgerechnet heute Morgen sein? Schlaftrunken lausche ich und höre, wie meine Wohnungstür aufgeschlossen wird und mehrere Personen eintreten.
Dann ertönt ein spitzer Schrei. Ich schieße hoch. Gestern Nacht. Die Party. Meine Wohnung. Ich renne mit verwuschelten Haaren, zerlaufener Schminke und meiner Bibliothekarinnen-Brille auf der Nase in die Küche, wobei ich über die Bierkiste stolpere, die vor meiner Zimmertür steht. Beim Versuch, mein Gleichgewicht zu wahren, halte ich mich am Jackenhaken fest, der daraufhin prompt abreißt, so dass alle Jacken herunter fallen und mehrere auf dem Boden verteilte Bierflaschen anstoßen, die wie in Zeitlupe zu schwanken beginnen, sich schließlich fürs Umfallen entscheiden und langsam auf das Trio in meiner Küche zurollen.
 Wie gebannt starren wir alle die Flaschen an, als wären sie hochexplosiv. Schließlich kommen sie zur Ruhe und während Johann weiterhin mit offenem Mund da steht und der Hausmeister mich leicht amüsiert mustert, findet Magda ihre Fassung wieder und schreit: „Sehen Sie?!? Sehen Sie?!? Was habe ich gesagt? Eine Wahnsinnige! Und eine Alkoholikerin noch dazu!“
„Jetzt beruhigen Sie sich erst mal! Ich glaube kaum, dass die junge Dame das alles allein ausgetrunken hat.“
„Umso schlimmer! Die hat hier eine Orgie veranstaltet!“
Endlich bahnt sich meine Wut auf Magda ihren Weg: „Ach von wegen Orgie. Hör doch auf solch einen Blödsinn zu labern! Wir haben nur ein bisschen gefeiert.“
 Giftig schießt sie zurück: „Ach ja? Was bitteschön hat ein Loser wie du denn zu feiern?“
„Na, allem voran den Auszug dieser Hexe, mit der ich das letzte Jahr über zusammenleben musste!“
Das verschlägt Magda für einen Moment die Sprache und der Hausmeister nutzt die Gelegenheit: „Aber, aber, meine Damen. Jetzt beruhigen Sie sich bitte beide und benehmen sie sich wie zivilisierte Menschen.“
Magda schlägt den Arm des Hausmeisters nieder, den er beschwichtigend erhoben hatte: „Zivilisiert? Die da? Die weiß doch nicht mal, was das ist!“
„Wenigstens bin ich zivilisiert genug, um nicht wie ein Holzfäller zu schnarchen!“
„Waaaaas? Ich schnarche nicht!“, kreischt Magda.
„Johann, du solltest dir lieber einen Jahresvorrat extragroßer Ohropax anschaffen!“
Mit einem Aufschrei macht Magda Anstalten, sich auf mich zu stürzen, doch der Hausmeister hält sie fest und brüllt: „Schluss jetzt!!! Das reicht!!! Für sie beide! Ich will kein Wort mehr hören! Sonst rufe ich das Ordnungsamt!“
Magda und ich werfen uns giftige Blicke zu, sind jedoch nun beide still.
In ruhigerem Tonfall spricht der Hausmeister zu Magda gewandt weiter: „So! Ich sehe mir jetzt Ihr Zimmer an und danach gehen Sie mit Ihrem Freund in dessen Wohnung und die Sache hier hat sich erledigt!“
Mit zusammengepressten Lippen geht Magda dem Hausmeister voran an mir vorbei zu ihrer Zimmertür und schließt sie auf. Der Hausmeister geht hinein, um das Zimmer auf Schäden zu überprüfen, während sie im Bad verschwindet.
Ich stehe mit verschränkten Armen im Türrahmen und Johann tritt mit offensichtlichem Unbehagen von einem Fuß auf den anderen. Als der Hausmeister gerade am Ende seiner Liste angekommen ist, ertönt ein markerschütternder Schrei aus dem Bad und Magda kommt mit aufgerissenen Augen herausgestürzt. „Da liegt einer!!! Unter der Dusche liegt ein Toter!!!“ Sie zittert am ganzen Körper und mir wird vor Schreck ganz kalt. Kann es sein, dass die Party gestern tatsächlich aus dem Ruder gelaufen ist? Habe ich jetzt eine Leiche in meinem Bad?
Der Hausmeister fasst sich als erster wieder und späht vorsichtig ins Bad. Ich schließe mich ihm an. Verdammt! Unter dem Duschvorhang schaut tatsächlich ein Fuß hervor.
Magda fängt wieder an zu kreischen.
Da ertönt hinter dem Vorhang eine Stimme: „Ey Leute! Stellt mal den Lärm ab. Mein Kopf platzt!“
Der Hausmeister bedenkt mich mit einem vorwurfsvollen Blick. „Von wegen ʽkeine Orgieʼ, wie?“
Mit hochrotem Kopf trete ich ins Bad und reiße den Duschvorhang ruckartig zurück. Während sich in der Dusche Django aufgrund der plötzlichen Helligkeit mit einem Aufstöhnen den Arm vor die Augen hält, zische ich ihn an: „Was machst du in meiner Dusche? Raus hier, aber dalli!“
Stöhnend rappelt er sich auf und wankt, während Magda wieder aufschreit als wäre er tatsächlich eine wandelnde Leiche, an ihr vorbei aus meiner Wohnung.
„Jetzt hören Sie doch auf zu flennen!“, schaltet sich der Hausmeister wieder ein. „Das Zimmer ist soweit in Ordnung. Geben Sie mir noch den Schlüssel und unterschreiben Sie hier!“ Magda gehorcht ohne Widerrede und der Hausmeister wendet sich an den hilflos dastehenden Johann: „Und jetzt bringen Sie sie endlich hier weg!“
 Froh, etwas zu tun zu haben, legt Johann den Arm um Magda und führt sie aus der Wohnung.
Dann dreht sich der Hausmeister zu mir um und ich ziehe schuldbewusst den Kopf ein: „Und nun zu Ihnen: Ihnen ist hoffentlich klar, dass unser Wohnheim eine Unterkunft für Studierende ist und keine Disco oder Bar. Nur aufgrund der Tatsache, dass Sie hier schon so lange wohnen ohne dass es Beschwerden gegen Sie gab, lasse ich Sie so glimpflich davonkommen. Doch den nächsten Vorfall dieser Art werde ich dem Studentenwerk melden und dann sind Sie Ihre Wohnung los! Haben wir uns verstanden?“
Kleinlaut nicke ich, doch kaum ist der Hausmeister aus der Tür gegangen, muss ich grinsen bei der Erinnerung an eine vollkommen fassungslose Magda, die beim Anblick des aus dem Bad torkelnden Django zu kreischen anfängt. Allein dafür hat sich die Party gestern gelohnt!


Das sind ja mal gelungene Texte, schon allein deswegen werde ich sie definitiv lesen. Was machen deine Bücher denn ganz besonders aus?

Ich denke diese Mischung aus Realität und Fiktion und gaaaaaaanz viele Herz, da ich alle Charaktere bzw. deren Vorbilder in der Realität kenne!

Ich liebe es, beim Lesen Lachen zu können, das reißt mich besonders mit. Verwendest du eigentlich immer reale Orte oder sind davon auch einige fiktiv?

 Bislang spielen alle meine Romane in Heidelberg, meiner absoluten Lieblingsstadt, seit ich zum Studium hierherkam. Es ist eine richtige kleine Heidelberg-Chick-Lit-Reihe entstanden, deren Protagonistinnen sich untereinander kennen, weil sie verwandt oder befreundet sind. So tauchen sie in den jeweils anderen Romanen immer wieder mal auf. So kommt nach "Liebe und andere Fettnäpfchen" der Roman "Das Handy in der Hummersuppe" und als dritter Band "Die Liebe ist (k)ein Basketballspiel". Letzterer geht hoffentlich noch dieses Frühjahr raus. Es sind noch viele weitere Bände über Lena und ihre Freundinnen geplant, doch parallel dazu versuch ich mich jetzt auch einmal an einer sehr dramatischen Liebesgeschichte, die an einem fiktiven Ort in England spielt. Ein für mich persönlich sehr spannendes Projekt, eben weil im Gegensatz zu meiner Heidelberg-Reihe nun wirklich alles fiktiv ist.
Trotzdem werde ich auch weiter humorvolle Romane schreiben, weil es mir unheimlichen Spaß macht, die Leser zum Lachen zu bringen. Das Leben ist schließlich hart genug.

Das klingt sehr toll. Ich persönlich liebe ja Romane die in England oder Schottland spielen ganz besonders und lese darüber auch besonders gern. Liest du auch selbst diese Art von Roman die du schreibst oder hast du eher ein anderes Lieblingsgenre?

Zurzeit lese ich zwangsläufig haufenweise Kinderbücher und bin dadurch inzwischen in der Lage, sämtliche Geschichten von Benjamin Blümchen aus dem Kopf nicht nur vor- sondern auch rückwärts wiederzugeben.
In den seltenen Fällen, in denen ich nicht mit den existenziellen Problemen eines sprechenden Elefanten beschäftigt bin, lese ich aber
wirklich absolut alles. Naja, außer Horror, weil ich sehr schreckhaft bin. Und bei drei kleinen Kindern, die nachts jede Menge Geräusche machen und derentwegen ich nachts ständig durchs dunkle Haus tappern muss, sind Gruselromane keine so gute Idee ... Selbst mit Thrillern tue ich mir aus dem Grunde schwer.

Hast du denn einen Buchtipp für die Leser des Blogs bzw. gibt es darüber hinaus noch etwas, was du ihnen mit auf den Weg geben möchtest?

Also als Buchtipp muss ich unbedingt "Fledermäuse und Buntschattten" von Axel Brauns loswerden! Hat zwar absolut gar nichts mit humorvollen Liebesromanen zu tun, aber ist ein unglaubliches Buch. Der autistische Autor erzählt darin, wie er als kleiner Junge aus seiner Sprachlosigkeit heraus einen Weg in diese ihm fremde Welt gefunden hat.
Was ich allen Lesern mitgeben möchte: Lasst euch von niemanden davon abzuhalten, das zu tun, was ihr möchtet! Egal, für wie verrückt eure Mitmenschen Euch und Eure Tätigkeit halten. Hätte ich mich nicht an diese Maxime gehalten, gäbe es meine inzwischen drei Romane nicht.

Wir Leseratten sind eben alle ein klein wenig verrückt. Aber ich sehe gerade, dass unsere Zeit hier schon wieder vorbei ist. Ich bedanke mich, dass du hier warst. Ich hoffe es hat dir gefallen und ich hoffe vor allem auf viele tolle Bücher von dir.

Vielen Dank, liebe Laura. Es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht mit Dir zu plaudern und ich werde unser Gespräch sehr gerne an anderer Stelle fortsetzen. Und natürlich werde ich für Büchernachschub für alle Leseratten sorgen!


Hier solltet ihr unbedingt vorbeischauen:





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