Sonntag, 18. Januar 2015

Autoreninterview mit Jana Feuerbach

Am Freitag den 16.01.2015 durfte ich mit der Autorin Jana Feuerbach ein ganz tolles Interview führen. Es war informativ, spannend und vor allem voller Details. Daher möchte ich euch nun nicht weiter zuquasseln, sondern euch hier das Interview zeigen.

Viel Spaß!


Das Interview




Hallo, schön das du Zeit gefunden hast, dieses Interview für den Blog „Stöberkiste – buchtastische Welten“ mit mir zu machen. Wie geht es dir?


Danke für dein Interesse, liebe Laura. Mir geht es gut. Allerdings versucht meine kleine Katze Swava gerade die ganze Zeit, den Mauszeiger auf dem Monitor zu fangen oder sich in unsere Unterhaltung einzumischen. Falls es also gleich komische Buchstabenkombinationen gibt, ist das Swava, die dir Hallo sagen möchte.

Interessanter Name für eine Katze. Wie bist du denn auf diesen Namen bekommen?

Die Kleine ist ziemlich wild, also haben wir überlegt, dass sie einen kriegerischen Namen bekommen soll. Dann sind wir Fernsehheldinnen durchgegangen, aber mit Xena konnte ich mich nicht durchsetzen. Über Lagertha aus der Serie Vikings sind wir auf die Idee gekommen, ihr den Namen einer Walküre zu geben. Bei der Recherche sind wir auf ihren Namen gestoßen, der ihr ganz offensichtlich gefällt.

Lesen und Katzen, das passt so richtig. Ok, kleine Abweichung, aber der Name war einfach zu toll um es unerwähnt zu lassen. Dann fangen wir doch mal mit deiner Person an sich an, bevor wir uns deinen Büchern widmen. Erzähl doch ein bisschen was von dir.

Ich bin Jana Feuerbach, zurzeit 32 Jahre alt, und ich habe mein Leben lang davon geträumt, Bücher zu schreiben. Also, zwischendurch wollte ich Balletttänzerin, Astronautin, Chemikerin und Lehrerin werden, aber das mit dem Schreiben kehrte als Wunsch immer wieder zurück.

Mein erstes Buch habe ich für einen Wettbewerb geschrieben. Es wurde ohne weitere Begründung abgelehnt, was mich damals sehr traurig machte. Aber kurze Zeit später bekam ich ein Buch über die Techniken des Schreibens in die Finger. Damals lernte ich zum ersten Mal, dass Schreiben nicht nur Intuition und Sitzfleisch braucht, sondern man viele Dinge tatsächlich lernen kann.

Das habe ich dann in den folgenden Jahren versucht. Lernen, lernen, lernen, üben, üben, üben. Meine Stammzeitschrift www.schlagzeilen.com sucht immer Autoren und Autorinnen für SM-Geschichten, also unternahm ich dort meine ersten Gehversuche. Mit jeder Geschichte übte ich etwas anderes, Perspektive, Dialog, Beschreibungen, Figurenentwicklung ... Und irgendwann habe ich mich erneut daran gemacht, einen Roman zu schreiben. Dieses Mal klappte es und ich fand mit dem bookshouse-Verlag einen super Ansprechpartner für Jungautorinnen. Dort wurde ich super nett betreut und unterstützt.

Also bist du dadurch in das Erotik-Genre gelangt oder war das ein schon lange gehegter Wunsch über erotische Abenteuer zu schreiben?

Mein Wunsch war eigentlich immer "nur", Geschichten zu schreiben, Geschichten zu erzählen. Wenn ich in den Tag hineinträume, dann bin ich eine Geschichtenerzählerin in einer Mittelalter- oder Fantasy-Welt, die von Markt zu Markt zieht und sich ihren Lebensunterhalt mit ihren Geschichten erzählt. Geschichten mündlich zu erzählen, ist etwas ganz Besonderes. Die Leute reden dazwischen, und wenn es langweilig wird, unterbrechen sie einen sofort bzw. unterhalten sich über andere Dinge. Trotzdem mag ich es so eigentlich am liebsten. Ich erzähle meine Geschichten ja für die Zuhörer, beziehungsweise für die Leser.

Erotik ist dabei ein spannendes Thema zum Erzählen. Wenn man am Lagerfeuer eine Geschichte erzählen will, die damit anfängt "Mensch, wo du das sagst, da muss ich doch glatt an die Geschichte von der Hexe im Wald denken, die mit nackten Titten am Lagerfeuer auf einen Mann wartet, der ..." Na ja, dann sind die Zuhörer deutlich aufmerksamer ;).

Erotik ist aber tatsächlich ein spannendes Thema. In einem guten Erotikroman kann man so ziemlich alles unterbringen, was zum Leben und zum Menschsein dazugehört. Mich reizt in solchen Geschichten immer vor allem die Frage, warum jemand Sex hat - und warum er es so und nicht anders mag. Liebe? Ja, im richtigen Leben ist Liebe für Sex ein sehr schöner und sehr wichtiger Grund. Meiner Meinung nach allerdings nicht der einzige Grund, mitunter nicht mal der wichtigste. Menschen haben aus den unterschiedlichsten Gründen Sex. Um sich zu beweisen, dass sie jemanden aufreißen können, um jemandem zu beweisen, dass sie es wert sind, geliebt zu werden … In meinem ersten Roman hat Mica Sex, weil sie sich davor fürchtet, ihre sm-dominante Art auszuleben, und kommt deswegen nie zum Höhepunkt. In ‚Tanzen heißt Hingabe‘, was im Februar erscheint, hat Jennifer Sex und SM, um sich darüber hinwegzutrösten, dass sie ihren Lebenstraum nicht ausleben konnte. Und ein bisschen, weil sie sich vor dem Tod fürchtet und nur so lebendig fühlt.

Und das sind Themen ... Die finde ich wirklich hochspannend.

Fangfrage, die du nicht beantworten musst: Wie aufgeschlossen bist du, was das Thema SM angeht, wie sieht deine Recherche dazu aus bzw. würdest du auch danach leben wollen, was du beschreibst?

Das ist kein Geheimnis. SM ist ein ganz normaler und selbstverständlicher Teil meiner Sexualität und meiner Art zu leben, schon seit vielen Jahren. "Danach leben" heißt nicht, dass ich irgendwelche Verträge für den Alltag abschließen würde, das fände ich eher komisch, mit Verlaub gesagt. Aber ich mag Romantik, ich mag Liebe, ich flirte gern, besonders mit meinem Schatz. Und je bunter und vielfältiger die Möglichkeiten sind, sich gegenseitig Liebe zu zeigen, desto schöner finde ich das.

Im Lauf der Zeit habe ich viele andere Menschen kennengelernt, die ähnlich ticken. Also, im Einzelnen ist jeder von denen natürlich anders, aber ich plaudere manchmal einfach gern darüber. Das würde ich nicht Recherche nennen, das klingt so kalt für Gespräche mit Menschen, die ich sehr schätze. Aber ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich daraus nicht auch hin und wieder ein bisschen Inspiration für Geschichten ziehe.

Ich würde ja gern sagen, dass ich Leute mit einer Gerte versohle, die mir schlechte Rezensionen geben, aber ... Das könnte ein falsches Bild erzeugen. Außerdem sagte ein Bekannter von mir mal, dass er nur Leute haut, die das auch wollen. Den Satz fand ich gut. Das ist wohl die Quintessenz von BDSM, egal ob man es lebt oder nur damit herumspielt, um Spaß zu haben. Wichtig ist, dass man sich auf den anderen einstellt, seine Bedürfnisse und Grenzen ernst nimmt und respektiert und gemeinsam auf Entdeckungsreise geht, um herauszufinden, was beiden gefällt.

Und das ist eine Maxime, nach der man auch im Alltag im Umgang mit so ziemlich jedem Menschen gut leben kann, finde ich. Grenzen wahrnehmen, sie respektieren und ernst nehmen.

Da hört man schon heraus, dass du dein Genre sehr liebst und es sozusagen genau für dich gemacht worden ist. Das mag ich persönlich sogar besonders bei Autoren, dass sie nicht einfach irgendein Genre schreiben, das gerade Geld bringt sondern sie ihr Genre lieben. Also schnell auf zur nächsten Frage: Welcher Roman liegt dir besonders am Herzen?

Ich nehme an, du meinst Romane von anderen Autoren? Also gewissermaßen Lieblingsbücher?

Sowohl als auch. Dein Liebling deiner eigenen Romane und dann einen kleinen Exkurs zu deinen Lesevorlieben.
  
Oje, bei meinen eigenen Büchern verweigere ich die Aussage. Wie kann man da eine Wahl treffen?

Da zu meinen Wünschen und Zielen beim Schreiben gehört, beständig dazuzulernen, ist es wahrscheinlich immer der aktuelle Roman. Das wäre ‚Tanzen heißt Hingabe‘, der im Februar erscheint und schon vorbestellbar ist. Ich habe ihn oben erwähnt, er handelt von Jennifer, die Sex und SM hat, um sich lebendig zu fühlen. Sie rutscht in eine Affäre mit dem dominanten Kilian und verliebt sich in seine Freundin Saskia, und dabei verstrickt sie sich immer tiefer in Halbwahrheiten und Verlangen. Es ist ein SM-Roman, der definitiv harte Szenen beinhaltet, aber sie sind wichtig für Jennifers charakterliche Entwicklung. Gleichzeitig geht es auch um Liebe, die manchmal sehr ungewöhnliche Wege geht.

Wenn ich selbst lese, mag ich gern Bücher, die mich dazu bringen, über die Welt nachzudenken, ohne mit der Moralkeule zu winken. Besonders liebe ich Terry Pratchett. Seine Bücher sind tierisch komisch und handwerklich perfekt geschrieben, aber gleichzeitig schafft er es, den Leser ganz unaufdringlich über wichtige Fragen im Leben nachdenken zu lassen. Das bewundere ich, das ist auch mein Ideal als Autorin. Auf dem deutschen Buchmarkt liebe ich die Bücher von Ingrid Noll, die eine scharfe, schonungslose Beobachtungsgabe hat und es versteht, abgründige Psychogramme in eine vordergründig leichte und humorvolle Geschichte einzuweben. Ich hoffe, eines Tages als Erzählerin den beiden ebenbürtig zu werden. Wahrscheinlich wird das ein frommer Wunsch bleiben ... Aber bis dahin bleiben mir ihre Bücher. Die kann ich wieder und wieder lesen.

Die Bücher von Ingrid Noll kenne ich zwar nicht, aber ich kann sagen, dass mit dein Schreibstil bisher sehr gut gefällt, da ich schon ein wenig in ‚Want to be a Dominant Girl‘ reingelesen habe. Aber ich will meiner eigenen Rezension hier nicht schon vorweg greifen. So wie ich es herauslese, liest du auch gern querbeet oder legst du dich generell auf ein Genre fest? Und weil ich es gerade schon angesprochen habe: Wie bist du auf die Idee zu deinem Roman "Want to be a Dominant Girl" gekommen?

Gleich zwei Fragen auf einmal, das ist unfair.

Wenn ich nach meinem Lieblingsgenre als Leserin gehen würde, würde ich wahrscheinlich Science Fiction nennen. Aber meine beiden Lieblingsautoren schreiben nicht in dem Genre, also ... Ja, querbeet passt wohl ganz gut.

Die Idee zu ‚Want to be a Dominant Girl‘ entstand, nachdem ich schon ein paar Jahre lang Kurzgeschichten über SM für die ‚Schlagzeilen‘ geschrieben hatte. In den ‚Schlagzeilen‘ werden regelmäßig SM-Romane rezensiert. Irgendwann fiel mir auf, dass die Romane immer nur zwei mögliche Settings hatten: Eine junge Frau erkennt bei dem richtigen Mann, dass sie devot ist, und findet endlich ihre Erfüllung - oder eine dominante Frau wusste schon ihr ganzes Leben lang, dass "es" in ihr steckt, wird zur Profidomina und plaudert aus ihrem Alltag.

Das verfälschte in meinen Augen das Bild. Es gibt auch viele Mädels mit einer dominanten Veranlagung, die nie auf die Idee kämen, daraus Geld zu schlagen - und die sind weiß Gott nicht alle so naturdominant, dass sie es schon bei ihrem ersten Mal wissen. Ich habe hier also eine Lücke gesehen, denn ich hätte gern Bücher über solche Frauen gelesen. Also habe ich beschlossen, selbst eines zu schreiben über eine Domme (so nennt man eine nichtgewerbliche sm-dominante Frau), die eben nicht perfekt ist, sondern ihren Weg erst noch finden muss. In diese Geschichte sind die Geschichten vieler Frauen eingeflossen, mit denen ich mich darüber unterhalten habe.

Das macht mich gerade umso neugieriger darauf, deinen Roman weiterzulesen. Aber es sind ja auch nur noch zwei abschließende Fragen und dann erlöse ich dich. Was fühlst du, wenn du schreibst?

Das weiß ich nicht.

Ehrlich, ich weiß es nicht. Ich weiß, was ich vorher fühle, ängstliche Erwartung, und was ich hinterher fühle, nämlich Erschöpfung, Dankbarkeit und Leere ... Aber währenddessen? Währenddessen löst sich alles auf.

Also mit anderen Worten: Du schreibst einfach drauf los und lässt dich umso mehr von den Figuren führen, die deine Geschichte prägen. Und nun die abschließende Frage: Hast du es jemals bereut das Genre Erotik für dich entdeckt zu haben?

Ja, einmal ^^. Oder strenggenommen sogar zweimal kurz nacheinander. Zwei Leser schrieben mich an, und weil ich normalerweise sehr nette Leser habe, unterhielt ich mich mit ihnen. Beide wollten das Gespräch ständig nur auf das Thema Sex lenken und darauf, was ich mit ihnen anstellen sollte. Ich erspare dir die konkreten Details ihrer Fantasien in Bezug auf meine Funktion in ihrem Kopfkino beim Tastaturbeflecken, die sie mir unhöflicherweise leider nicht erspart haben. Bei denen habe ich mich gefragt: Wenn ich Krimis schreiben würde, würden sie dann versuchen, mich als Auftragsmörderin zu rekrutieren?

Aber glücklicherweise sind solche Leute die absolute Ausnahme und normalerweise mag ich mein Genre und die Arbeit damit sehr gern. Manchmal tun sich sogar besondere Chancen auf. Über den Joyclub, eine deutsche Erotikplattform, bin ich jetzt sogar an eine richtig coole Location für meine nächste Premierenlesung gekommen, das Salt and Pepper in Hannover. Die wird bestimmt spannend.

Alles in allem gilt wohl: Ich fühle mich wohl mit dem, was ich tue. Dadurch werden kleinere Schwierigkeiten nie wirklich schlimm und die schönen Erlebnisse umso cooler.

Das sollte man sowieso immer. Da ist unsere Zeit jetzt auch schon zu Ende (schade eigentlich aber meine Fragen sind alle). Gibt es noch etwas das du meinen Bloglesern sagen möchtest?

Ich wünsche euch allen eine gute Zeit! Und im Namen all meiner Kolleginnen und Kollegen: Wenn ihr Bücher lest, die euch gefallen, nehmt euch doch bitte die Zeit, eine kleine Rezension zu schreiben. Damit macht ihr uns jedes Mal eine große Freude!

Ansonsten möchte ich mit dem Gebot der Götter aus der wunderschönen SM-Fantasy-Serie Kushiel schließen: "Love as thou wilt" (Liebt, wie es euch gefällt).

Ich bedanke mich im Namen aller meiner Follower für das tolle Interview mit dir, es hat mir sehr viel Spaß gemacht (ich hoffe dir auch). Ich wünsche dir noch einen schönen Abend.

Danke schön!



Und hier noch ein paar weiterführende Links:







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen